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Fall der Manner, Aufstieg der Propheten

Thematische Parallelen bei der Biennale
VENEDIG, 6. September

Komitas" von Don Askarjan, führt unmittelbar in den arme­nischen Kulturraum. Es ist einer der visuell eindringlichsten Filme des Festivals (au­ßerhalb des Wettbewerbs gezeigt.

Komitas nannte sich der für die armenische Kultur bedeutendste Geistliche und Musikwissen­schaftler, der zwischen 1869 und 1935 lebte und Zeuge wurde, wie die türkische Regierung 1915 das armenische Volk systematisch auszurotten begann (drei Viertel der Bevölkerung sollen den Tod gefunden haben). Nach diesem Massaker verweigerte sich Komas der Musik und verbrachte die letzten zwanzig Jahre seines Lebens in Nervenheilanstalten.

Das historische Vorwissen muß mitbrin­gen, wer sich im Film „Komitas" einiger­maßen zurechtfinden will; wie Bewußt­seinsströme aus der Rückbesinnung des Komponisten auf das Erlebte treiben die Bilder am Betrachter vorüber, Zeugnisse eines Untergangs, die nahezu wortlos in einen schwer zugänglichen Sinnzusam­menhang gestellt werden. Die Intensität freilich bleibt unbeschreiblich, auch wenn nicht jedes Zeichen zu entschlüsseln ist. Man müßte Bild für Bild nachzeichnen, wie Don Askarjan Landschaften sich öffnen, Visionen entstehen läßt und wie er aus den Bruchstücken von einst neues Leben fügt, um nachvollziehbar zu ma­chen, was diesen außerordentlichen, mit deutschen Fernseh-Geldern entstandenen Film Askarjans von einem russischen Wettbewerbsbeitrag („Der schwarze Mönch", Regie: Ivan Dichovitschny) un­terscheidet: er umkreist ein bis in die Wortwahl, bis in das Bildmotiv ähnliches Thema, als sei der eine Film das Zitat des anderen, der indessen doch nur wie ein weihevoll zelebrierter zweiter Aufguß wirkt.

Auch dort also, ausgehend von einer Erzählung Tschechows, ein Mensch auf der Grenze des Faßbaren, von Zwangsvor­stellungen gepeinigt und seiner Umgebung unheimlich. Aber wo Askarjans Zeugen­schaft aus eigener Kraft besteht, bleiben die Bilder Dichovitschnys nur tarkowski-trunkene Untermalung einer kalkuliert ins Rätselhafte gehobenen Geschichte, Kunst­gewerbe statt eigenständiger Kunst und wabernd vor messianischer Bedeutung. Die Propheten haben das Wort im Kino der ausgehenden achtziger Jahre-doch die meisten sind nur Scharlatane.

HANS-DIETER SEIDEL

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Mittwoch, 7. September 1988, Nr. 208/Seite 27